Weinfest!

Liegt es an unserem Einfluss? Oder am Mainstream? Oder an der Geschichte (guckste hier)? Oder ist es Strüther Avantgarde mit Blick auf Klimawandel & Friends? Ganz egal was es ist: Strüth macht jetzt auch Weinfest! Und zwar zum ersten Mal bereits am Samstag, ab 16.00 Uhr, vorm Bürgerhaus. Veranstalter ist die Freiwillige Feuerwehr. Die sind ja eh im Dauereinsatz, da kommt es auf ein Ereignis mehr oder weniger auch nicht an. Und: als erstes bestes einziges Weingut vor Ort bekommt der Gast natürlich auch unseren Wein zu trinken. Da ein Wein allein vielleicht etwas wenig für ein Weinfest ist, gibt es auch noch andere herausragende Gewächse. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten.

Supersupersupersuper.

Liebe Leut‘, uffgepasst: we are back & der neue Wein ist feddisch. Und nicht nur das: halbtrockene Äpfel liegen im neu geplanten Keller beim Weinbauer Melchior! Nur noch die Uffbabber fehle. Und dann gibt’s noch was für umme. Äh, hä? Wat is loos? Wieder zu viel Glykol geschnieft? Nee, geht erst morgen in die Wachau. Aber hallooo, was denn jetzt? Ja dann mal von Anfang an:

Das letzte Jahr ließ nicht nur mein verknorztes Weinbauerherz höher schlagen, sondern das aller hübschen Winzertöchter: Super Wetter für Weinbauern. Super Weinausbau. Super Wein. Und dem nicht genug für uns: Dem Super-Weinjahr folgten weitere Superlativen in unserem bescheidenen Super-Weingut:

2015 ist nicht nur super, sondern sogar prädikatiös. Dieses Adjektiv wurde gerade von mir erfunden. Denn unser Wein trägt ein von der rheinland-pfälzischen Landwirtschaftskammer offiziell bestätigtes Prädikat. Es heißt „KaMit Liebe verkorktbinett“. Aber keine Angst, hat nix mit intellektuell oder Angela Merkel zu tun. Unsern Wein darf soll das Proletariat saufen.

2015 sind wir supersüß. Und nicht nur wir: auch der Wein hat für unsere Verhältnisse noch ordentlich Zucker und ist daher halbtrocken.

2015 gab es super Äpfel. Dick, rund, rot, saftig, super. Die Jungs aus der Nachbarschaft haben Massen an Äpfeln gesammelt, gehäckselt und bei uns gepresst. Ein Großteil ist Apfelsaft und Glühwein geworden. Einen bescheidenen Teil haben wir zum „Vogtei Apfelwein“ ausgebaut. Feines Stöffche!

Und für 2016 stehen auch die ersten Super-Projekte ins Haus. Ein erster Vorgeschmack: Weinbauer Melchior hat ein neues zu Hause gefunden. Immer noch in Strüth. Hanglage. Südhang versteht sich. Super für….na, wer weiß es?… Richtig: Kartoffelschnaps.

Und wie geht’s weiter? Sobald die Uffbabber da sind, steht der Wein zum Verkauf. Vorbestellungen und Reservierungen werden gerne entgegen genommen. Die ersten 5 Besteller vom Riesling bekommen ein Fläschelche Stöffche für umme dazu. Mail an: nico@weinbau-melchior.de.  Super, oder?

Winzer? Nö, Bauer!

Oft nennen Leute mich „Winzer“. Unwohl fühl ich mich dabei. Ich bin nämlich kein Winzer. Winzer ist ein anerkannter Ausbildungsberuf so wie Maurer, Bankkaufmann oder Schreiner. Vor Jahren habe ich mal mit der Stichsäge und dem Akkuschrauber ein Bücherregal gebaut. Ist nicht sonderlich schön geworden, aber es hält. Seitdem renne ich auch nicht durch die Welt und rufe: „Schaut her, ich bin Schreiner“. Aber was bin ich dann?

Eigentlich bin ich Geograph. Damit können die wenigsten Leute etwas anfangen. Ich werde als Geograph wahlweise mit Geologen, Vermessungsingenieuren oder professionellen Stadt-Land-Fluss-Spielern verwecheselt („Wie, Du bist Geograph und kennst nicht den höchsten Berg von Osttimor?„). Wer wissen will, was ein Geograph ist, dem sei der hier verlinkte Artikel empfohlen. Und was bin ich bezogen auf Wein?

Ich will kein Hobby- oder Feierabend-Winzer sein. Klingt zu sehr nach Gartenzwergsammlung und dafür ist der Wein mir eine zu ernste Angelegenheit. Mit Garagen-Winzer könnte ich mich vielleicht noch anfreunden. Es gibt einige sehr gute Garagen-Winzer (1, 2, 3). Problem: Ich habe gar keine Garage. Schwierig. Auch Alternativen zu „Winzer“ sind nicht einfach. Für ein Weingut, Schlossgut usw. fehlen mir die damit verbundenen Gebäude – eine Vinothek und einen dunklen Weinkeller sollte man als Weingut mindestens anbieten können. Vom Schloss ganz zu schweigen. Wie gesagt: ich habe nicht mal eine Garage. Wein-Manufaktur wurde mir mal vorgeschlagen. Klingt mir aber zu sehr nach elitärem Lebensmittel-Schickimicki für besserverdienende Großstadtmuttis ab Anfang 40 mit fetten SUVs und Jack Wolfskin-Outfit, die auch für 85€ Blumenzwiebelpflanzgeräte bei Manfactum kaufen, um ihr verklärtes nostalgisch-ökologisch-ländlichlich-nachhaltiges Weltbild zu befriedigen.

Irgendwann habe ich mich daher für den Begriff „Weinbauer“ entschieden. Ich baue Wein an, also bin ich Weinbauer. LogischDer Bauer!. Im Weinbauern steckt das Wort „Bauer“ drin. Das gefällt mir. „So gilt der Bauer (…) häufig als dümmlich, unkultiviert (‚rustikal‘), häßlich und schmutzig“ (nachlesen ). Super! Bauernschläue, sinnlose Bauernweisheiten, Bauer sucht Frau. Alles spitze! Vielleicht nenne ich mich irgendwann in „Weinbauer Nico Melchior & Kompagnons“ um. Bis dahin muss einfach „Weinbau-Melchior“ reichen.

 

P.s.: Liebe Großstadtmuttis der Welt: kauft meinen Wein! Alles handgemacht, exklusiv, ländlich, nachhaltig, kleine Stückzahlen – damit könnt ihr bei den Freundinnen aus eurem dienstäglichen Buisness Yoga Flow-Workshop richtig einen raushauen. Schwör!

 

Das war’s!

Die Trauben sind gelesen. Das erste Mal in der langen Historie kurzen Existenz von Weinbau-Melchior ohne den CvD. Der ist krank und durfte musste leider zu Hause bleiben. Unsere kasachisch–usbekischen Lesehelfer sind aber mittlerweile ein eingespieltes Team und so waren nicht nur ratzifatzi die Trauben gelesen, sondern auch das Frühstücksbuffet verputzt.

Der Zeitpunkt für die Traubenlese war im diesen Jahr recht früh, vielleicht wahrscheinlich zu früh – aber sonst wär nicht mehr viel übrig gewesen (Erklärung hier). Mit den Öchsle bin ich zufrieden, Säure könnte besser sein, aber: das wird schon noch.

Mein Dank gilt von Links nach Rechts den Traubenlesern – auch für die Arbeit im Weinkeller: Andrej, Annastasija, Evelina, Vladimir, Nadira, Juri, Nadezhda, Grigorij, Svetlana, dem kleinen Sergej, Farrukh und Jyldyz. Bis zum nächsten Jahr!

Unsere Lesehelfer 2015
Unsere Lesehelfer 2015

 

 

I like birds?

Zu der allzeit Top-Ten-Liste meiner Lieblingslieder zählt unbedingt der Song I Like Birds von den Eels. Stellvertretend für eigentlich fast Alles von den Eels. Im Weinberg kann ich mit der Vogelwelt aber nix anfangen, da wünsche ich Ihnen den Tod an den Hals. Warum? Weil die kleinen Piepmätze meine Trauben auffressen. Bei ein paar Träubchen könnte ich gutmütig drüber hinwegsehen – die sollen sich ja auch mal was gönnen. In den vergangenen Jahren wurden gerne mal ganze Rebstöck leer geputzt. Drum habe ich dem gesamten fliegenden Volk den Krieg erklärt. Einzig willkommen sind Greifvögel. Ihnen habe ich sogar eine bequeme Sitzstange gebaut. Die Greifvögel fressen nämlich die Mäuse im Weinberg. Mäusen wünsche ich auch den Tod an den Hals. Warum? Naja, die Mäuse fressen auch gerne meine Trauben. Im Weinberg ist meine Einteilung der Tierwelt sehr einfach: gutes Tier = frisst keine Trauben. Schlechtes Tier = frisst meine Geheimwaffe Falke "Falko"Trauben. Sehr gutes Tier: frisst Tiere, die meine Trauben fressen, selbst aber kein Obst. Zurück zu den Vögeln: Zum Schutz der Ernte werden Schutznetze angebracht, Flatterbänder gespannt und die Geheimwaffe „Falko“ kommt zum Einsatz. Falko sieht aus wie eine behinderte Möwe, denkt aber von sich er wäre ein Adler und war eigentlich als gefährliche Falken-Attrappe geplant gewesen. An einer Schnur gespannt kreist, baumelt er über dem Weinberg. Ob’s was nutzt? Keine Ahnung. Entsorgen kann ich ihn aber nicht. Warum? `Cause I like Birds.

 

„If you’re small
And on a search
I’ve got a feeder for you to perch on

I can’t stand in line at the store
The mean little people are such a bore
But it’s all right if you act like a turd
‚Cause I like
Birds“

Alles neu!

Wein ist abgefüllt. Qualitätsweinprüfung ist bestanden. Was fehlt? Etiketten. Die Zeiten selbst gemalter Etiketten mit Paint sind ab sofort vorbei. Schade. Sehr gut! Neues Design vom Herrn „Von Dreis“. Ab jetzt sehen wir auch aus wie ein richtiges Weingut. Danke, Alex!10617625_726677290713693_1933484270_n

Strüth? Strüth!

Wer genauer hinschaut stellt fest, dass unser Weinbaubetrieb in Strüth beheimatet ist. Weinbau in Strüth, geht das?

Jamaika hat keinen Schnee, aber dafür seit 1988 eine eigene Bobmannschaft. Strüth hat keinen Weinberg, aber dafür seit 2014 einen eignen Weinbaubetrieb. Bis in der Vogtei tatsächlich Wein wächst, muss sich der Klimawandel noch ein bisschen anstrengen. Die Trauben wachsen daher am Mittelrhein, genauer gesagt unweit des kleinen Örtchens Wellmich. Und diese Verknüpfung zwischen Strüth, Weinbau und Wellmich ist nichts Neues, sondern kann auf eine lange Tradition zurückblicken.

Die geschichtliche Begebenheit ist nachzulesen im Werk „Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius, welcher die wichtigen und angenehmsten geographischen, historischen und politischen Merkwürdigkeiten des ganzen Rheinstroms von seinem Ausflusse in das Meer bis zu seinem Ursprunge darstellt“, verfasst von einem „Nachforscher in historischen Dingen“. Im Band Mittelrhein, 2. Abteilung, Band 5 von 1856 steht’s geschrieben: Das Kloster Schönau in Strüth begütert in der Gemarkung von Ehrenthal, einem Stadtteil von Wellmich, 9132 Stöck Wingert. So, jetzt ist es raus.

Momentchen, werden jetzt Einige rufen, Wellmich ist doch keine Stadt. Naja, kommt auf die Definition von Stadt an, denn Wellmich erhielt bereits im Jahr 1357 Stadtrechte. Das Kloster in Strüth ist also historischer Weinbergsbesitzer im Stadtgebiet von Wellmich, wo auch wir heute unsern Wingert haben. Toll, ne?

Not amused!

Traubenlese. Nottraubenlese. Tropische Temperatur Ende September und literweise Regen sind genau das, was jetzt nicht zu gebrauchen ist. Ergebnis: innerhalb kürzester Zeit begannen die Trauben zu faulen. Es wurde gerettet, was noch zu retten war. Zufriedene Weinbauern sehen anders aus. Zum Glück machen wir das nur zum Spaß aus Freude – wobei die heute gering war. Aber das Frühstück war wie immer top (der wichtigste Bestandteil der Traubenlese)!