Winzer? Nö, Bauer!

Oft nennen Leute mich „Winzer“. Unwohl fühl ich mich dabei. Ich bin nämlich kein Winzer. Winzer ist ein anerkannter Ausbildungsberuf so wie Maurer, Bankkaufmann oder Schreiner. Vor Jahren habe ich mal mit der Stichsäge und dem Akkuschrauber ein Bücherregal gebaut. Ist nicht sonderlich schön geworden, aber es hält. Seitdem renne ich auch nicht durch die Welt und rufe: „Schaut her, ich bin Schreiner“. Aber was bin ich dann?

Eigentlich bin ich Geograph. Damit können die wenigsten Leute etwas anfangen. Ich werde als Geograph wahlweise mit Geologen, Vermessungsingenieuren oder professionellen Stadt-Land-Fluss-Spielern verwecheselt („Wie, Du bist Geograph und kennst nicht den höchsten Berg von Osttimor?„). Wer wissen will, was ein Geograph ist, dem sei der hier verlinkte Artikel empfohlen. Und was bin ich bezogen auf Wein?

Ich will kein Hobby- oder Feierabend-Winzer sein. Klingt zu sehr nach Gartenzwergsammlung und dafür ist der Wein mir eine zu ernste Angelegenheit. Mit Garagen-Winzer könnte ich mich vielleicht noch anfreunden. Es gibt einige sehr gute Garagen-Winzer (1, 2, 3). Problem: Ich habe gar keine Garage. Schwierig. Auch Alternativen zu „Winzer“ sind nicht einfach. Für ein Weingut, Schlossgut usw. fehlen mir die damit verbundenen Gebäude – eine Vinothek und einen dunklen Weinkeller sollte man als Weingut mindestens anbieten können. Vom Schloss ganz zu schweigen. Wie gesagt: ich habe nicht mal eine Garage. Wein-Manufaktur wurde mir mal vorgeschlagen. Klingt mir aber zu sehr nach elitärem Lebensmittel-Schickimicki für besserverdienende Großstadtmuttis ab Anfang 40 mit fetten SUVs und Jack Wolfskin-Outfit, die auch für 85€ Blumenzwiebelpflanzgeräte bei Manfactum kaufen, um ihr verklärtes nostalgisch-ökologisch-ländlichlich-nachhaltiges Weltbild zu befriedigen.

Irgendwann habe ich mich daher für den Begriff „Weinbauer“ entschieden. Ich baue Wein an, also bin ich Weinbauer. LogischDer Bauer!. Im Weinbauern steckt das Wort „Bauer“ drin. Das gefällt mir. „So gilt der Bauer (…) häufig als dümmlich, unkultiviert (‚rustikal‘), häßlich und schmutzig“ (nachlesen ). Super! Bauernschläue, sinnlose Bauernweisheiten, Bauer sucht Frau. Alles spitze! Vielleicht nenne ich mich irgendwann in „Weinbauer Nico Melchior & Kompagnons“ um. Bis dahin muss einfach „Weinbau-Melchior“ reichen.

 

P.s.: Liebe Großstadtmuttis der Welt: kauft meinen Wein! Alles handgemacht, exklusiv, ländlich, nachhaltig, kleine Stückzahlen – damit könnt ihr bei den Freundinnen aus eurem dienstäglichen Buisness Yoga Flow-Workshop richtig einen raushauen. Schwör!

 

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